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Der neue Trend – wasserfrei waschen und feste reinigen

Wasserfrei ist im Sinne einer nachhaltigeren Körperreinigung das Nonplusultra. Ob Seife, Syndet oder Shampoo Bar: feste Reinigungsmittel sind gerade der Knaller. Denn, wenn kein Wasser im Produkt ist, ist es kleiner, leichter und kann sogar in Papier verpackt werden. Die Transportkosten sinken und selbst im Flieger darf es ins Handgepäck ;-).

Abbildung 1:Einige Produkte  aus dem mittlerweile sehr vielfältigen Markt. Außer einer Seife (Biomarkt) gibt es über das klassische Waschstück alle möglichen Varianten an festen Shampoos. Es werden dabei auch alle Verkaufskanäle bedient: vom Internet, Bio-Märkten, Supermärkte und Spezialshops z.B. unverpackt Läden.

Wasserfrei geht durch die Decke

Hier geht grade echt was durch die Decke. Etwas, über das vor ein paar Jahren viele noch gelächelt und es allenfalls im DIY Bereich angesiedelt haben. Feste Reinigungsmittel: Seifen-Syndets-Shampoo-Bars. Jetzt – vielleicht auch wegen der Corona Krise – feiern sie ein SEHR nachhaltiges Come-back. Wasserfreie Kosmetik boomt.

Abbildung 2: Der IKW veröffentlicht jährlich die Zahlen zu den Umsätzen im Kosmetikmarkt in Deutschland, hier Marktzahlen vom 8.12.2020. Während alle nach „außen“ gerichteten Produkte wie Make-up und Parfums 2020 erhebliche Einbußen hinnehmen mussten, hielten die Körperpflegeprodukte ihr Niveau. Für feste Waschstücke dagegen reichte der Platz nicht aus, der Umsatz schoss durch die Decke (1).

Wasserfrei: Reinigung wie selbstgemacht

Die Zeit der Akkuratesse ist vorbei. Man darf sehen, dass Schweiß an der Entstehung des guten Stücks beteiligt war: Shampoo-Bars, Syndets oder Seifenstücke sehen häufig aus wie handgemacht und haben runde, organische Formen. Vorreiter dieser Produkte war übrigens die Firma Lush  (2), die schon seit vielen Jahren feste Reinigungsprodukte unverpackt anbietet. Jetzt gingen sie sogar für eine Kampagne so weit, dass sich die MitarbeiterInnen auszogen (3).

Es gibt im Netz etliche Videos, die zeigen, wie man ein Shampoobar selber herstellen kann.

Video 1: Die wichtigsten Inhaltsstoffe habe ich Euch schon  vor ziemlich genau 2 Jahren im Beitrag über Shampoo Bit  (4) schon mal aufgelistet (und Abbildung 4).

Syndets und der pH-Wert

Dennoch, auch früher gab es sie schon, feste Reinigungsprodukte und wasserfrei. Doch fristeten sie ein tristes Dasein als „Waschstück“ oder etwas moderner „Syndet“. Das Wort Syndet leitet sich übrigens aus synthetische Detergentien her. Denn im Gegensatz zur Seife (5) , in der sicher natürliche Öle verwendet werden, waren die Syndets damals modern. Sie wurden schon in den 50iger Jahren des vorherigen Jahrhunderts entwickelt. Zunächst wurden sie in der Wäschepflege eingesetzt, dann aber schnell auch zur Pflege kranker Haut (6). Sie enthalten synthetisch hergestellte Tenside, die in der Regel eine höhere Reinigungsleistung haben als Seife.

Trotzdem, einen ganz wichtigen Punkt adressierten sie: den pH-Wert der Haut. Da Seifen immer einen leicht alkalischen pH-Wert haben, stehen sie in dem Ruf, schlechter für die Haut zu sein. Für Haare sogar unbrauchbar. Denn bei Haaren ist die Schuppenschicht, die Cuticula, wichtig für den Glanz (7). Und die Haarschüppchen legen sich bei niedrigem pH besser an (weswegen sie man auch gerne mit Essig spült). Syndets muss man in der Drogerie ziemlich suchen, so habe ich mich nach dem Syndet Klassiker umgesehen von sebamed. 150g kosten 1,95 € und sind damit deutlich günstiger als Shampoo-Bars. Nur Seife gibt’s billiger.

Abbildung 3: Nackig, so sehen die Produkte aus, wenn sie ohne Verpackung sind. Auch hier zeigt sich, dass die Hersteller es an Kreativität in der Formgebung nicht haben fehlen lassen. Aber so nackig in der Dusche, da können einige Waschstücke ganz schön aufquellen. Eine trockene (Zwischen)Lagerung ist also empfehlenswert.

Sulfat-frei und sauber wird’s auch

Ich habe mich in dem letzten Jahr schon sehr gewundert, warum mein Artikel über „Sulfat frei“ (8) so stark frequentiert wurde – jetzt weiß ich es: es ging um SCI – Natrium Cocoyl Isethionate, denn das ist das „magic ingredient“ für viele wasserfreie Reinigungsprodukte. Nicht verwechseln mit Natrium Cocoyl-Sulfate (9)!, das ganz ähnlich wie SLS zusammen gesetzt ist, aber genial gut schäumt. Es ist das einzige Tensid in den Produkten von Lush und wird in Kombination bei Nivea und Garnier eingesetzt.

Abbildung 4: Zusammensetzung der meisten Shampoo Bars, die derzeit auf dem Markt sind. Die Tenside sind häufig SCI und SLSA (blau), die in unterschiedlichen Verhältnissen eingesetzt werden. In vielen Produkten finden sich auch Kombinationen von Dinatrium Lauryl Sulfosuccinate und Natrium Lauryl Sarcosinate. Sie machen etwa 40-60% der Rezeptur aus. Ein weiterer wichtiger Inhaltsstoff sind Feststoffe: Stärke oder Kaolin. Cocamidopropyl Betain (amphoteres Tensid, lila) ist häufig enthalten, es wird auch in normalen Shampoos eingesetzt. Unter dem Kreis mit dem Plus Zeichen (+) verbergen sich kationische Verbindungen, die als Conditioner eingesetzt werden, z.B. Guar Hydroxypropyl Trimonium Chloride. Dann sind für Pflege und Festigkeit noch Fettalkohole, Butter und Öle enthalten. Häufig sind die Produkte parfumiert, zuweilen werden dafür Aromaöle (10)  verwendet. Ach ja und technisch bedingt ist auch Wasser enthalten, abhängig von Herstellverfahren bis zu 10%.

SCI –das neue Schaumvergnügen

Natrium Cocoyl Isethionate (abgekürzt SCI) ist ein Feststoff (11), der sich leicht dosieren (sieht man im Video 1) und auch schmelzen lässt. Allerdings staubt er ziemlich, weswegen eine Maske und Brille empfehlenswert sind. Viele Shampoo-Bars sind deswegen nicht handgeformt, sondern gegossen. 😉 (12, 13).

SCI aber ist das neue Tensid, das auch von der Hautverträglichkeit besser abschneidet als sulfathaltige Tenside. Also alles in allem viele gute Gründe, mal mit einem Syndet zu waschen, statt mit Shampoo aus der Flasche (14).

Wasserfrei: demnächst komplett in der Dusche?

Viele feste Reinigungsprodukte werben damit, dass sie genau so effektiv reinigen wie zwei Flaschen herkömmlichen Shampoos. Bis zu 60 Haarwäschen sollen mit einem festen Shampoo möglich sein (15) Der Verbrauch ist aber individuell sehr verschieden und ich kann das derzeit so nicht bestätigen. Wer aber eine Sparfüchsin ist, hat vielleicht sowieso schon auf Seife umgestellt. Und auch die Waschstücke reinigen übrigens nicht nur die Haut, sondern auch die Haare. So lassen sich dann insgesamt die Produkte in der Dusche reduzieren und alles vereinfachen. Das ist dann wieder interessant für die Männer. Probiert’s doch einfach mal aus!

Video 2: Die überwiegende Anzahl der festen Shampoos oder Duschprodukte kommt aus dem alternativen Bereich

Neueste Entwicklungen auf dem Markt zeigen, dass die Reise exakt dorthin geht: Nivea bewirbt jetzt eine feste Gesichtsreinigung (16), den Magic Bar. Vom Gesicht bis zum Rest des Körpers ist es nur noch ein kurzer Weg, wie es auch von Shenja in ihrem Video beschrieben.

Literatur:

(1) IKW Marktzahlen
(2) LUSH
(3) Naked Kampagne
(4) DejaYu: Shampoo-Bit
(5) DejaYu: Seife
(6) Hautreinigung mit Syndets: Chemische, ökologische und klinische Aspekte, Braun-Falco, Korting Ed. 2013
(7) Pinkmelon: Glänzend schönes Haar
(8) DejaYu: Seidige Nährpflege ohne Sulfate
(9) Nypronos: SCI
(10) DejaYu: Ätherische Öle kombinieren
(11) PRnewswire
(12) UL Prospector: Shampoo
(13) The formulators lab
(14) Safety Assessment
(15) ARD Buffet vom 03.11.2020
(16) Nivea: magic bar Gesichtsreinigung

Bildnachweise:

Abbildung 2 IKW, alle anderen Abbildungen sind eigene Werke, Nutzung nur nach vorheriger Genehmigung durch Ghita Lanzendörfer-Yu info@dejayu.de

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