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Divers: Trendige Lippenstifte mit Pflegekern

Was geht? Im Lippenstift Sektor? Früher hieß es ja immer Pflege und Farbkompetenz gehen nicht zusammen. Und heute? Geht‘s plötzlich doch!

Lange anhaltende Lippenfarbe

Der französische Make-up Riese L’Oréal betont ja immer wieder, dass wir uns es wert seien. Dafür bringen sie dann schon mal Lippenfarben auf den Markt die „Super Stay 24 hours“ heissen und den ganzen Tag drauf bleiben sollen. Einziger Knackpunkt, auf den Lippen  fühlt sich das beschissen an. Deswegen ist bei den Neuentwicklungen z.B. Super Stay 24 H (Maybelline) auch gleich ein „Balsam“ integriert.

Schliessen Pflege und Make-up Kompetenz einander aus? Wenn also ein Balsam bei dem Super Stay dabei ist ist, warum entwickelt man denn nicht gleich einen pflegenden Stift?

Abbildung 1: Vergleich von Color Riche links (L’Oréal) mit LolliLips rechts (Schwarzkopf). Beide Stifte sind Lippenstifte mit einem Pflegekern. Der Color Riche ist in einem klassischen Lippenstift Format, in dem das „Bullet“ in die Hülse gesteckt wird. Der LolliLips ist ein in die Packung gegossener Stift, analog der Verfahrensweise die in dem Patent US 20050169858 beschrieben ist. In die Hülse gießt man üblicherweise Deo-Stifte oder Klebestifte.

Lippenpflege

Bei Lippenpflege denken wir sofort an Labello, der synonym für Lippenpflegeprodukte gebraucht wird wie „Tempo“ für Papiertaschentücher. Labello, der kleine Fettstift, der pflegt und polarisiert. Er würde „abhängig“ machen oder schlimme Inhaltsstoffe enthalten. Nichts von dem stimmt, aber Marktführer anzugreifen, sichert Aufmerksamkeit. Aber, wenn Labello denn schon pflegt, kann er denn auch Make-up? Nö, eher nicht. Denn lange trauten die Verbraucherinnen einem Pflegestift keine Kompetenz in Sachen Make-up zu. Schade, auch wenn es jetzt Labellos nicht nur eingefärbt und mit Fruchtgeschmack gibt, sondern auch solche, die Farbe auf die Lippen bringen sollen.

Das mag daran liegen, dass ein klassischer Pflegestift einen runden Abschluß hat und nicht wie dekorative Stifte abgeschrägt ist. Also ein Formatierungsfehler? Beiersdorf hat sich dem angenommen und Labello Lips2Kiss in (Bunt)Stiftform herausgebracht.

Der neueste Trend sind derzeit Lippenstifte, die einen Pflegekern enthalten. Und bei denen war Labello 2014 und 2016 bereits Vorreiter.

Die Maschinen Macht

Lippenstifte sind gegossene Wachmassen, die ganz entfernt an Kerzen erinnern. Damit der Lippenstift eine schöne Form bekommt, muß er in eine Gießform gegossen werden, schnell abgekühlt und vorsichtig in die Hülse überführt werden. Das läßt sich per Hand (teuer) machen oder mit einer Maschine erledigen. Üblicherweise hat dann das „bullet“ nur eine Komponente oder Farbe.

Einer der wichtigsten Hersteller für Gießmaschinen für Stifte ist Weckerle. Sie haben sich auf Stifte in allen möglichen Formaten spezialisiert. Will man Stifte mit Pflegekern erhalten, müssen im Gießprozeß unterschiedliche Materialien verarbeitet werden können. Dazu gibt es unterschiedliche Patente, als Beispiel soll dieses gelten, das hier die Abbildung in der Patentschrift der Abbildung auf der Weckerle Webseite am ähnlichsten ist von der Firma Wyeth .

Abbildung 2: Abbildung aus dem Patent US 20050169858, in dem sehr schön die Formen abgebildet sind, die auch Weckerle auf sener Webseite abbilde. Dabei ist die Form der LolliLips ebenfalls dabei.

Weckerle sagt dazu: „Die MM-Maschinenserie von Weckerle ermöglicht es, Lippenstifte bzw. Lippenbalsam in unterschiedlichen Gießformen und verschiedenen Designs, Durchmessern und Produktionsmengen zu befüllen. Mit diesen Maschinen stellt Weckerle die ultimative Perfektion im Abfüllprozess von Lippenstiften sicher.“

Hier lassen sich dann alle neuen Formate herstellen. Und damit erfüllt sich zumindest hier die Forderung der FDP für mehr Freude am Erfinden.

Provokant und Divers

So bewirbt Got2Be von der Firma Schwarzkopf, die zum Henkel Konzern gehört und eigentlich spezialisiert ist auf Haarpflege – ihre neue Make-up Kollektion. Dazu gehören eben auch Lippenstifte, die einen Pflegekern enthalten, der in Herzform gestaltet ist. LolliLips, nennen sie diese und sind für EUR 5,95 bei dm erhältlich.

Abbildung 3: Bei diesem Stift ist die Hülse nicht funktionsfähig und der Stift lässt sich nicht herausdrehen, sondern bröckelt weg.

Sie sollen tolle Farbe vermitteln, aber anders als vom Make-up Riesen eben auch Pflege. Upps, das ist provokant? Beim Auftragen verhalten sich diese Lippenstifte wie ein ganz normaler Pflegestift. Einen solchen wie z.B. Labello Cherry Shine gibt’s für EUR 1,65. Da ist nicht nur das Preis- Leistungs- Verhältnis besser, sondern auch die Verarbeitung.

Im mittelpreisigen Segment verkauft L’Oréal unter Color Riche Age Perfect ebenfalls Lippenstifte mit Pflegekern für etwa den doppelten Preis, nämlich 10,95 EUR. Weder der LolliLips noch Colror Riche sehen bei näherer Betrachtung wirklich hochwertig aus.

Abbildung 4: Vergleich der Menge an Stiftmaterial, die einem von den verschiedenen Herstellern angeboten werden. Alle Stifte sind komplett herausgedreht. Labello bringt für den günstigen Preis den meisten Stift.

Pflege ist auch schon in die großen Namen eingezogen

Ob nun Corona mit der Verlässigung der Republik im Lockdown verantwortlich ist oder einfach der Wunsch der Verbraucherinnen, nicht mehr immer perfekt gestylt aufzuschlagen – wir wissen  es nicht. Gleichzeitig hat sich aber die Pflege zunehmend in die klassischen Lippenstift-Formate eingeschlichen. Ob nun Color Riche oder die Profi-Serie Art Deco, viele kommen mit einem pflegenden Kern daher.

Technologisch und von der Herstellung her sind diese Lippenstifte schon neu und besonders, auch wenn die entsprechenden Patente mehr als 20 Jahre alt sind und mittlerweile als Stand der Technik angesehen werden können. Aber ich frage mich schon, warum Labello das Pflegekern-Experiment beendet hat. Schaut man sich die Verarbeitung der Stifte an, so überzeugen sie mich nicht in punkto kosmetische Eleganz und sauberer Verarbeitung. Deswegenglaube ich, dass sich bei Lippenstiften mit Pflegekern nur um ein Trendprodukt handelt, das sich nicht langfristig etablieren wird.

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