Kein Kohle-Ausstieg: Black macht beautiful

Eigentlich sollte Kosmetik ja grün werden … doch immer mehr Produkte werden schwarz. Kohle, hier „Aktivkohle“ ist ein wesentlicher Inhaltsstoff vieler Reinigungsprodukte und verkauft sich ziemlich gut.

Nachdem Aktivkohle in der Kosmetik zwischen 2015 und 2016 regelrecht gehypt wurde, ist es zwar etwas stiller geworden um diese Produkte. Dennoch hat sich Kohle einen festen Platz erobert. Damals titelte die Brigitte, Deutschlands wohl größte Frauenzeitschrift: „Aktivkohle: Ein schwarzer Stoff begeistert die Kosmetikwelt“ (1).

Abbildung 1: Google –Trend Abfrage vom 20.2.20. Man sieht sehr deutlich den Anstieg der Suchabfragen zur Aktivkohle ab 2015, die dann in 2016 zu einem kurzen Hype führen. Dieser findet überwiegend im Englischen Sprachraum statt. Dennoch bleibt Aktivkohle (activated charcoal) weiterhin auf einem relativ hohen Niveau der Suchanfragen. Die aus meiner Sicht relevanten Kombinationen mit Gesichtsreinigung oder anti-Pollution werden nicht gesucht.

Welche Produkte gibt es mit Kohle?

Aktivkohle ist ein medizinisches Detox-Mittel,  eine technische Filtersubstanz für Flüssigkeiten und Gase z.B. in dem Filter der Dunstabzugshaube. Für diese Einsatzgebiete macht sie die enorm große spezifische Oberfläche geeignet (2).

In der Kosmetik wird Kohle überwiegend in Reinigungsprodukten, für Anti-Akne oder in Zahnpasta eingesetzt. Aber auch in Seife oder Schwämmchen ist sie drin. Dafür ist sie aber auch in allen Verkaufskanälen vertreten: Discounter, Drogeriemarkt, Parfümerie aber auch in Bioläden.

Wie gewinnt man Aktivkohle?

Kohle ist wertvoller Rohstoff und besteht überwiegend aus dem Element Kohlenstoff: C. Steinkohle entstand vor etwa 300 Millionen Jahren als urzeitliche Wälder sich in Humus, Torf und dann unter Druck in Kohle verwandelten (3). Es entstanden ausgedehnte Kohleflöze, die dann ab 1800 im Ruhrgebiet systematisch ausgebeutet wurde (4). Kohle befeuerte die Industrielle Revolution: ohne sie keine Dampfmaschine, keine Lok und kein Webstuhl – und kein Klimawandel. Es entstanden ungezählte Industriezweige, die sich auf die Verwendung von Kohle gründeten und auch die unterschiedlichen Kohlesorten nutzten (5). Natürlich kann man auch diese bergmännisch gewonnene Kohle zur Herstellung von Aktivkohle nutzen, doch häufig werden tierische oder pflanzliche Rohstoffe als Ausgangsmaterial verwendet. Und das klingt dann wieder sehr natürlich: Bambus ist eben attraktiver als Briketts.

Abbildung 2: Herstellung von Aktivkohle aus Quelle (6).

Die Reinigungsleistung von Aktivkohle resultiert aus ihrer großen Oberfläche (7), an der Moleküle aber auch Toxine adsorbiert werden können.

Abbildung 3: Außer, daß  Aktivkohle aus sehr kleinen Teilchen besteht, hat sie eine enorm große innere Oberfläche (8), die aus Poren verschiedener Größenordnung gemacht ist. Damit ist Aktivkohle in der Lage, viele unterschiedliche Moleküle zu adsorbieren. Das macht man sich für bestimmte kosmetische Inhaltsstoffe zu Nutze z.B. bei Filtrieren von Pflanzenölen, um unerwünschte Gerüche oder Farbstoffe zu eliminieren.

Macht Kohle in Kosmetika Sinn?

Bei den Anwendungsbeispielen von Kohle, fällt das Übergewicht an Reinigungsprodukten auf. Und das macht insofern Sinn, als dass Aktivkohle große Moleküle adsorbieren und damit eliminieren kann.

Am Beispiel der Zahnpasta schaue ich mir das mal an. Unser Zahnschmelz hat eine Mohshärte (9) von etwa 5, Poliermittel mit Härten darunter können Plaque entfernen (10) ohne den Schmelz zu schädigen. Kohlenstoff kommt allerdings in unterschiedlichen Formen vor. Diamant, die härteste Verbindung, hat eine Mohshärte von 10 und auch Graphit kommt je nach Belastungs-Richtung auf 9 bzw. 0,5. Aktivkohle wird aufgrund seiner Teilchengröße keinen nennenswerten Beitrag als Putzkörper  leisten, dennoch kann sie durch Adsorption Stoffe an sich binden. Diese sind in der Regel höhermolekulare Substanzen.

Macht Kohle denn nun Sinn in Kosmetika? Die Meinungen sind geteilt. Frauenzeitschriften sehen den Einsatz eher positiv, genauso wie große Magazine (1, 11). In Apotheken wird der Einsatz eher kritisch gesehen (12). Ökotest dagegen wertet die meisten Produkte ab (13). Denn herstellungsbedingt können PAKs (Polycyclische Aromatisch Kohlenwasserstoffe) enthalten sein und das ist schlecht.

Charcoal Powder – geniale Begriffsverwirrung als Marketingstratiegie

Die INCI bringt es ans Licht. Das Marketing hat uns hinters Licht geführt. In allen meinen betrachteten Produkte ist gar keine Aktivkohle enthalten! Das ist eigentlich auch logisch, wenn man sich die Herstellung derselben (Abbildung 2) ansieht. Sie ist nämlich aktiviert (14). Und damit nicht geeignet für die Anwendung in Kosmetika. Zum Einsatz kommt also Charcoal Powder, das – wer hätte es gedacht – gemahlene Holzkohle ist (15). Und das ist einfachste „low-tech“.

In einigen Produkten wird auch noch Eisenoxid, schwarz CI 77499 zugesetzt. Und ja, Charcoal Powder hat auch eine CI Nummer 77267, was ihn als Bruder von Carbon Black CI 77266 ausweist.

Ob nun in Seife,Gesichtsmaske oder Zahnpasta. Kohle hat leicht abrasive Eigenschaften und soll auch Talg adsorbieren können. Viel Effekt verspreche ich mit innerhalb der kurzen Einwirkungszeit allerdings nicht. Wer auf Kohle nicht verzichten will, kann gefahrlos zu Eyleinern und Mascaras greifen (16).

Und da macht sie Schwarz, ganz im Sinne von „Black macht Beautiful“.

Literatur

(1) Brigitte: Aktivkohle
(2) Wikipedia: Aktivkohle
(3) Planet Wissen: Steinkohlebergbau
(4) Wikipedia: Ruhrbergbau
(5) Gesellschaft für Steinkohle: Kohleheft
(6) Adsorba: Aktivkohle Herstellung
(7) Filter-sachsen.: Aktivkohle
(8) Agrokarbo: Aktivkohle
(9) Wikipedia: Mohshärte
(10) DejaYu: Zahnhygiene und das orale Mikrobiom: Warum Zaehneputzen gut und Mundspuelungen schlecht sind
(11) Süddeutsche: Mode-Aktivkohle
(12) Die PTA: Schwarze Kosmetik
(13) Ökotest: Schwarze Kosmetika im Test
(14) Chemie-Lexikon: Aktivkohle
(15) Hautschutzengel: Charcoal Powder
(16) Pinkmelon: Wie Schwarz die Kosmetik highlighted

Bildnachweise

Abbildung 2: Entnommen aus dem Internetauftritt der Firma Adsorba: https://www.adsorba.com/aktivkohle-herstellung

Abbildung 3: Entnommen aus dem Internetauftritt des Fördervereins der Studierenden und Wissenschaftler inside e.V.http://www.agrokarbo.info/aktivkohle-bio/

Alle anderen Abbildungen sind eigene Werke und verwendbar unter der Creative Commons Lizenz CC BY-SA 3.0

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