Nepenthes – wieder befüllbare Shampoo-Flasche von Aldi

Die Shampooflasche Nepenthes wird beworben mit „nachfüllen statt wegwerfen“. Bei einem Preis von 4,99 € (im Mai 2021 bei Aldi Süd in Mülheim gekauft) überlegt man sich allerdings auch die Anschaffung. Noch teurer geht es übrigens auf der website selbst. Dabei beschreibt der Begriff Nepenthes eine Sorte Fleisch fressender Pflanzen …. dann passt sie bei mir als Vegetarierin ja gut in die Dusche ;-).

Aber um was handelt es sich hier, eine echte Innovation? Sorry liebe Aldis, Innovation ist anders. Aber vielleicht kann eine Flasche, die ein wenig anders aussieht, den Boden für Veränderung bereiten. Damit wir VerbraucherInnen Kosmetikflaschen generell mit größerer Hochachtung entgegen treten.

Ist das schon nachhaltig?

Das Produkt hat eine organische Form. Es kommt aus einem Start-up und wird unverhältnismäßig gehypt: In der Publikation der macondo publishing GmbH „Umweltdialog“ wird diese Flasche als „nachhaltige Alltagslösung im praktischen Design“ vorgestellt. Sie loben Aldi für sein Engagement in Sachen Verpackung. Die Gesellschafter dieser GmbH lassen sich nur gegen Geld ermitteln. Ich vermute aber, dass Handelsfirmen hinter der GmbH stehen.Sie könnten die verschiedenen Formate nutzen, um ihre „corporate social responisbility“ (CSR) dazustellen. Ähnlich bestellt ist es bei „Buisiness insider“, einem online Magazin für „Young Professionals“. Es gehört zum Axel Springer Konzern. Sie begleiten viele Start-ups medial, wie Cyclic Design.  Der Prototyp von Nepenthes sieht allerdings etwas anders aus, als das, was man dann beim Aldi bekommt. Natürlich bewirbt auch Aldi selbst sein Engagement in Sachen Nachhaltigkeit und Förderung der Start-up Szene und klopft sich dabei gehörig selber auf die Schulter.

Nepenthes, was kann diese Flasche wirklich?

Sie hat als Boden einen großen Schraubdeckel, der eine weite Öffnung bedeckt, durch die flüssige Reinigungsmittel eingefüllt werden können. Der Auslass versteckt sich am anderen Ende und wird durch eine knotige Verlängerung: „Knötchen-Rüssel“ verschlossen. Der eigentliche Auslass ist recht klein. Die knotige Verlängerung kann als Aufhänger der Flasche in der Dusche genutzt werden. Und ja, es sieht ganz hübsch aus.

Abmessungen der Shampooflasche Nepenthes, Bildquelle: https://nepenthes.eco/presse/

Weiterhin soll alleine schon die Herstellung nachhaltig sein, made in Germany, zu 50% aus Zuckerrohr und 50% Biokunststoff, zu 100% recyclierbar. Na, da hoffe ich mal, dass sich das gute Stück nicht schon unter der Dusche auflöst.

Der Praxistest

Den Disclaimer gleich vorne weg. Ich habe natürlich KEIN Aldi Produkt eingefüllt, sondern aus meinem Vorrat an flüssigen Reinigungsprodukten ein relativ dünnflüssiges gewählt, das sowohl für Haare als auch Körper geeignet ist: Linivit Washlotion.

Während des Duschens beglückwünschte ich mich zu dieser Wahl, denn aus dem kleinen Ausfluß würde ein dickflüssigeres Produkt nicht heraus fließen. Auch drücken ist nur wenig hilfreich, da die Flasche nur im oberen Bereich leicht einzudrücken ist. Der restliche Corpus ist zu steif.

Mein größtes Problem aber war es, den „Rüssel“ wieder ins Loch zu bekommen, um die Flasche aufzuhängen. Mit seifigen Fingern unmöglich.

Es bleibt nun abzuwarten, wie lange der Rüsselverschluß dem Hängen in der Dusche stand hält und ob tatsächlich die ausgelobten „spart durchschnittlich 20 Einzelflaschen pro Jahr“ erreicht werden können.

Nepenthes und Aldi kann man damit tatsächlich Fairänderungen erreichen?

Dass sich in unserem Konsumverhalten etwas verändern muss, wenn wir weiterhin gut leben wollen, steht außer Frage. Kosmetische Produkte eignen sich gut, um als Vorreiter zu dienen. Bisherige Lösungen, so auch diese von Aldi, aber zielen auf einen Produktersatz ab, anstatt ein anderes Verhalten zu fördern. Es nützt also nichts ein Auto mit Verbrennungsmotor durch eines mit Batterie zu ersetzen, wenn gleichzeitig mehr Autos auf die Straße kommen. So nützt es mir – und der Umwelt – nicht, wenn ich eine Shampooflasche kaufe, die ich dann mit Produkten aus einem Nachfüllbeutel befülle. Dann habe ich den Nachfüllbeutel als Müll. Auch der Ansatz von Frosch und anderen großen Herstellern, Flaschen aus recycliertem Kunststoff anzubieten, ist aus Nachhaltigkeitsgesichtspunkten – sorry – Verbraucherverarsche.

Aus meiner Sicht führt kein Weg an Abfüllstationen vorbei und einem insgesamt geringerem Verbrauch. Da sich ja Aldi auch dem Tierwohl verschrieben hat und damit versucht, den Markt zu verändern, sollte es ein Leichtes sein, dies auch bei kosmetischen Produkten zu tun.

Teile diesen Beitrag

Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Ich persönlich dusche seit 2018 nur noch mit festen Reinigungsmitteln aka Seife. Mal mit echter Seife oder aber der Haut zu liebe mit den seit Jahrzehnten erhältlichen Waschstücken von Sebamed. Da spare ich nicht nur unzählige Kunststoffflaschen, rezykliert oder nicht, SONDERN auch Diskussionen, ob meine Körperpflege nachhaltig sei. Sicherlich ist der Weg des Nachfüllens einer, der den Kunststoffverbrauch nur leicht reduziert. Aber viele kleinere Schritte in die richtige Richtung bringen das Ziel auch näher.

    • Lieber „der Uhu“,
      vielen Dank für das Teilen Deiner Pflegeroutine. Damit bist Du sicherlich auf einem guten Weg. Mehr dazu kannst Du übrigens auch auf DejaYu lesen: http://www.dejayu.de/der-neue-trend-wasserfrei-waschen-und-feste-reinigen/
      Wir brauchen endlich eine Diskussion darüber, was geht und welche Rolle der LEH spielt. Klimaschutz kann kein individueller, persönlicher Lebensstil sein, sondern muß auch möglich gemacht werden. Teile diesen Beitrag also gerne auch in Deinen Sozialen Netzwerken.
      Vielen Dank und viele Grüße Ghita