• Händedesinfektionsmittel
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Händedesinfektion – wirksame Mittel zum Infektionsschutz

Mittel zur Händedesinfektion gibt es zu Hauf, wenn man sie gerade kaufen kann. Außer in Krankenhäuser und hygienisch sensiblen Bereiche aber, gehören sie in jeden Haushalt. Händedesinfektion ist die wichtigste Maßnahme zum Schutz vor Infektionen. Welche Mittel  das sind und was sie können, lest Ihr hier.

Jetzt zu Corona-Zeiten waren wir plötzlich hektisch auf der Suche nach Desinfektionsmitteln. Wo hatten wir die nur?  Gerade, wo in den Läden alle ausverkauft sind. Glücklicherweise haben wir noch einen kleinen Vorrat Isopropanol und auch Franzbranntwein, eine ätherische Lösung aus Latschenkiefern in Alkohol (1). Und dann fand ich noch in meiner Medizinkiste zwei Fläschchen Händedesinfektionsmittel!


Abbildung 1: Stoko Handdesinfektionsmittel aus unserem Fundus. Wie man sieht, ist es schon ein paar Jahre über dem offiziellen Haltbarkeitsdatum. Dieses ist in diesem Fall aber nicht relevant, da die Formel große Mengen Ethanol enthält. Es ist in solchen Fällen eher die Verpackung, die versprödet.


Was sind Desinfektionsmittel?

Wichtiges Kriterium für ein Desinfektionsmittel: Es müssen mindestens 62% Ethanol enthalten sein (2). Statt Ethanol, dem gängigen Alkohol, kann man aber auch Isopronanol verwenden. Diesen erkennt man an seinem typischen Geruch, denn er wird auch häufig in Haarsprays eingesetzt.
Anleitungen, wie man ein Mittel zu Händedesinfektion selber machen kann, hat die WHO veröffentlicht. Es wird auf vielen Kanälen geteilt (3).

Händedesinfektion wofür?

Als Robert Koch im späten 19. Jahrhundert Bakterien als relevante Auslöser für viele Infektionskrankheiten identifizierte, etablierte er gleichzeitig auch die Hygiene (4). Dass die Händedesinfektion für Ärzte im Kontakt mit Patienten eine überlebenswichtige Maßnahme für die Patienten ist, untersuchte und begründete aber der ungarische Gynäkologe Ignaz Semmelweis (5). Das war lange bevor Robert Koch mit seiner eigenen Forschung begann. Semmelweis ist der eigentliche Vater der Händedesinfektion, wenn er auch zeitlebens verkannt wurde.

In der modernen Medizin, Pflegepraxis oder in der Tierhaltung ist eine Händedesinfektion mittlerweile eine Standardmethode. Sie ist die wichtigste Maßnahme zum Schutz vor Infektionen. Dabei werden Erreger auf der Haut abgetötet und somit eine Übertragung von / auf jemand anderen verhindert.

Bakterien, Viren, Hefen und Pilze

Unsere Umgebung ist voll von Mikroorganismen. Wir atmen sie ein oder kommen mit ihnen in Kontakt, wenn wir den Garten umgraben. Dass uns dabei nichts passiert liegt daran, dass wir selber in einer Symbiose mit Mikroorganismen leben, unserem Mikrobiom (6). Allerdings können schädliche Keime auf Oberflächen einige Zeit überleben, auch auf unserer Haut. Wenn wir dann in Kontakt mit jemand anderen kommen, kann dieser Keim weiter gegeben werden. Das geschieht z.B. beim Händeschütteln, dem Anfassen von Türklinken oder dem Unterschreiben der Paketlieferung.

Abbildung 2: Die richtige Dosierung des Händedesinfektionsmittel ist relevant für seine Wirksamkeit


Nun ist aber Händedesinfektion nicht gleich Händedesinfektion. Entsprechende Mittel werden deswegen beurteilt nach:

  • Wirksamkeit gegen unterschiedliche Keime
  • Anwendungsdauer, bis ein Schutz erreicht ist
  • Hautverträglichkeit

Sie gehören zu den sogenannten Biozidprodukten und müssen zugelassen werden (7). Diese Zulassung ist ein Vielfaches komplizierter als ein einfaches Kosmetikum auf den Markt zu bringen.

Mittel zu Händedesinfektion – welches soll man nehmen?

Trotz Biozidverordnung, Mittel zur Händedesinfektion gibt es auch im Drogeriemarkt.  Üblicherweise werden Desinfektionsmittel aber über Fachmärkte z.B. Hautschutz- oder Klinikbedarf vertrieben. Wichtige Namen sind im Drogeriemarkt: Sagrotan, Impresan oder Eigenmarken. Hier sollte man beim Kauf auf zwei Dinge achten:

  • Ethanolgehalt größer als 62%
  • Wirksamkeit gegen behüllte Viren (das sind u.a. die Coronaviren)

Im Profibereich erhältlich sind Sterillium (Firma Bode, jetzt Hartmann(8)), Stokosept (Firma Stockhausen, jetzt SC Johnson (9)) oder Solvid (10). Eine vollständige Liste ist erhältlich unter der Webseite des Verbund für Angewandte Hygiene (11).

Das Mittel allein genügt nicht – die richtige Anwendung

Die richtige Anwendung der Händedesinfektionsmittel entscheidet über ihre Wirksamkeit.

  • Eine ausreichende Menge verwenden, die Hersteller machen dazu Angaben auf der Verpackung
  • Ausreichend lange einwirken lassen, als Regel mindestens eine halbe Minute
  • Überall auf den Händen verteilen
  • Anwendung mehrfach über Tag wiederholen

Offenbar ist aber die richtige Verteilung das größte Problem, weswegen jetzt sogar Influencer erklären wie es geht. Hier ein Beispiel aus dem Profibereich:

Und eines zum Nachlesen (12).

Alternativen zu Händedesinfektionsmitteln

Auch wenn wir gerade in der Krise sind, Mittel zur Händedesinfektion sollten nicht dauerhaft angewendet werden. Denn sie reduzieren auch die wichtige bakterielle Hautflora genauso schnell wie pathogene Keime. Die Folge sind trockene Haut und die Möglichkeit der Entwicklung von Berufsdermatosen.

Als effektive Maßnahme für jeden Tag wird deswegen normales Händewaschen empfohlen. Mit Seife (13)!

Abbildung 3: Händewaschen mit Seife ist die wichtigste Hygienemaßnahme überhaupt und sollte regelmäßig gemacht werden.


Wenn man aber doch etwas desinfizieren muss und kein Mittel zur Hand hat? Das sind Alternativen:

  • Isopropanol (14),
  • Melissengeist mit mehr als 63% Alkohol (15)
  • Kolloidales Silber (16)

Fazit

Gute Desinfektionsmittel gibt es viele. Für den Hausgebrauch ist Händewaschen die wichtigste Maßnahme. Braucht man jedoch ein Mittel, das eine gute Wirkung auch gegen Viren hat, sollte man genauer hinschauen. Denn für die Bekämpfung von Viren (und da unterscheidet man zwischen behüllten und unbehüllten) ist in der Regel eine höherer Alkoholgehalt nötig und häufig der Zusatz bestimmter Rohstoffe. Als Beispiel möchte ich hier das Patent von Bode nennen DE19502456C1, in dem Methyl-Ethylketon (ein Verwandter des Acetons) eingesetzt und so die Wirksamkeit gegen Viren erreicht wird (17).

Irgendwann wird diese Krise aber auch vorbei sein und dann? Dann solltet Ihr Euch einen sinnvollen Vorrat an Desinfektionsmitteln zulegen. Denn man braucht sie u.a. in der Mani-und Pediküre zur Desinfektion von Hand und Nagel oder zur Desinfektion der Geräte. Oder jedes Jahr zur Grippezeit, beim Besuch von Pflegeeinrichtungen (zum Schutz der Bewohner) oder beim Besuch von Großveranstaltungen. Eines ist jedenfalls klar: Unsere Hygienegewohnheiten werden sich nach der Krise deutlich verändern. Wir werden nicht mehr dauernd unsere Hände desinfizieren. Dagegen werden wir möglicherweise nicht mehr so vieles anfassen wollen und Handschuhe tragen.

Literatur

(1) Wikipedia: Franzbranntwein
(2) DAZ: Diese Desinfektionsmittel machen Coronaviren den Garaus
(3) Casida: Desinfektionsmittel selber machen
(4) NDR: Robert Koch: Die Revolution der Medizin
(5) bibliomed: Ignaz Semmelweis
(6) DejaYu: Das Mikrobiom der Haut
(7) Biozidverordnung 
(8) Bode Homepage
(9) debgroup: Stoko Serie
(10) Solvid Homepage
(11) VAH homepage
(12) debgroup: Handwaschtechnik
(13) DejaYu: Raphael Seife
(14) Baua: Isopropanol
(15) Utopia: Coronavirus: Achtung diese Handdesinfektionsmittel helfen nicht
(16) Bioapo: kolloidales Silber
(17) espacenet: DE19502456C1

Weiterführende links

https://vah-online.de/files/download/vah-mitteilungen/Presse_2015_01_21.pdf

https://produktkatalog.bode-chemie.de/produkte/haende/produktblaetter/sterillium.pdf

https://www.sagrotan.de/anwendungsbereiche/desinfektion/

https://utopia.de/ratgeber/coronavirus-achtung-diese-hand-desinfektionsmittel-helfen-nicht/

Bildnachweis

Alle Bilder sind eigene Werke, Verwendung nur nach vorheriger Genehmigung durch Ghita Lanzendörfer-Yu  info@dejayu.de.

Das Video ist unter https://www.youtube.com/watch?v=AJFnDFNh71I aufrufbar

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